Ostern, Pygmäen und Umzug

Halo ihr Lieben,

„ca fait longtemps“, wie mir gesagt wird, wenn man mich in Ndoungué eine Woche nicht gesehen hat.  Es ist aber wirklich lange her seit ich das letzte Mal geschrieben habe. Seit meinem Entschluss an der Schule zu bleiben und wie geplant das Schuljahr zu Ende zu führen, hat sich meine Situation in der Schule ein wenig verbessert. Ich denke etwas zum Guten, obwohl  ich mich bestimmt auch an die Schwierigkeiten  „gewöhnt“ habe. Ich habe eine Sternchenmethode eingeführt, weil die Schüler gemacht haben, was sie wollen.  Für jede gemachte Hausaufgabe gibt es ein Sternchen. Wer fünf gesammelt hat, bekommt einen Kuli oder Bonbons (eigentlich eine sehr schlecht Idee, weil viele Schüler kein Geld für Zahnpasta haben und daher schlechte Zähne haben). Bonbons sind aber leider sehr beliebt. Wer  10 Sternchen hat, dem gebe ich einen Punkt mehr im Zeugnis. Diese Methode griff erst so langsam nach meinem Entschluss zu bleiben. Einige Schüler sind nicht daran interessiert (die die sowieso immer stören und Quatsch machen), aber über die Hälfte schon.

Der Unterricht könnte normalerweise (bei kamerunischen Lehrern) so ablaufen: Sobald der Lehrer die Klasse betritt, stehen die Schüler auf und geben keinen Ton von sich). Sie bleiben so lange stehen, bis der Lehrer ihnen die Erlaubnis erteilt, sich zu setzen. Dann kontrolliert er die Hausaufgaben (oft viel zu viele!!!). Malchance für den, der sich nicht gemacht hat. Da gibt es einige Bestrafungen, die meiner Meinung nach, den Schüler eher gegen den Lehrer auflehnen und die schon an Menschenrechtsverletzungen erinnern, aber was zählt schon meine Meinung?  Sobald ich erwähne, dass ich die Bestrafungen nicht mit ansehen möchte, werde ich ausgelacht und ich bekomme des Öfteren den Satz: „Die Weißen! Die sind so weich!“ zu hören.

Ein Mathelehrer hat die 12 Klasse aus dem Klassenraum auf die Wiese im Schulhof treten lassen. In der prallen Sonne, wo ich es nicht lange aushalte, mussten sich die Schüler hinknien und ausharren, bis der Lehrer der Meinung war, dass sie genug gelitten hatten und das nächste Mal ihre Hausaufgaben machen würden. Ob das so hilfreich war, weiß ich nicht. Die Art und Stärke der Bestrafungen hängt ist von Lehrer zu Lehrer verschieden. Es gibt Lehrer, die nur verdreschen und das ununterbrochen, und andere, die nicht schlagen! Manchmal höre ich Schreie aus den Nachbarklassen, weil ein gewisser Lehrer wieder zuschlägt. Da es ja keine Fensterscheiben, bzw. Fenster gibt, hört man halt alles!

Wenn Schüler zu spät kommen, müssen sie auf Knien zu ihrem Platz laufen, draußen bleiben (nach dem Lehrer betritt niemand die Klasse!) oder sonst irgendwelche körperlichen Bestrafungen erleiden. Fürs Schwätzen gibt es auch ein paar brutale Methoden. Entweder man peitscht mit der „chicote“ (abgeschnittenes dickeres Kabel), ohrfeigt, schlägt mit dem Lineal, lässt den Störenfried mit der Stirn an der Tafel stehen, lässt ihn sich auf den (oderdreckigen!!!!) Fußboden legen und zwar längs vor der Tafel (weiße Uniformen!) usw…Die Methoden sind also sehr krass und ich konnte mich nicht damit abfinden, dass mit den Kindern so umgegangen wird. Mittlerweile berührt es mich nicht mehr so sehr, außer wenn ich direkt dabei bin. Thomas, mit dem ich Info unterrichte, hat vorgestern wieder angefangen zu schlagen. Wenn wir im Computerraum arbeiten, schlägt er nie, aber in der Klasse ja (sind ja auch 5-mal so viele Schüler, da wir nur 10 Computer haben). Er wollte ein Mädchen, das geschwätzt hat, mit meinem Schlüsselbund verdreschen. Dann entscheid er sich doch aus Gnade dazu, die „Chicote“ zu benutzen. Bevor es dazu kam, bin ich rausgegangen. Auf mein Grund, ich wolle nicht mit ansehen, dass er schlägt, hat er gelacht.

Mit der Zeit lernt man diese Gewalt zu akzeptieren. Es ist ein Teil in der  Kultur, nicht nur in der Schule. In der Familie ebenfalls. Es wird sehr grob miteinander umgegangen und mache würden den Umgang mit Kindern und ihre Pflichten im Haushalt usw…als Kinderabreit bezeichnen. Ich habe mich damit abgefunden und bin sogar der Meinung, dass es ein Mittelding geben müsste. In der westlichen Kultur werden die meisten Kinder zu verwöhnt und bekommen was sie wollen. Davon können die Kinder hier nur träumen. Wenn sie Älteren keinen Respekt zeigen, gibt’s ne Tracht Prügel, und zwar nicht zu sanft. Zu Weihnachten gibt’s es vielleicht einen Kuli, Heft, Radiergummi, oder nichts. Das sind also zwei Extreme, die für beide Seiten nicht gut sind.

Ich wollte euch mal beschreiben, wie sich ein Lehrer verhält und was die Schüler von ihm erwarten. Jetzt könnt ihr meine Schwierigkeiten bestimmt besser nachvollziehen. Da ich nicht schlage, und das die einzige Methode ist, um die Schüler ruhigzustellen (nach Lehrern und auch Schüler sagen es), habe ich natürlich viele Probleme das Quatschen zu stoppen.  Zwischenzeitlich hatten Schüler den Klassenraum verlassen, wann sie wollten. Das ist hier unvorstellbar! Wenn ein Schüler das macht, heißt es, dass er keinen Respekt zeigt und bestraft werden muss. Jetzt habe ich eine Abmachung getroffen, die mich etwas Geld kostet, aber dafür einigermaßen funktioniert.

Mittwoch fand die Generalversammlung der Lehrer statt, worüber ich eine Stunde vorher informiert wurde und wie so oft meine ganzen Pläne umschmeißen musste. Es fand nämlich auch eine Sitzung des Deutschlehrerkreises zur gleichen Zeit statt. Sie sollte also um 12 beginnen. Ich, noch im westlichen denken drin, kam gegen 12 Uhr 05 an. Niemand da, war klar. Der stellvertretende Direktor, der die ganze Zeit in seinem Büro saß, meinte mich noch darauf aufmerksam machen zu müssen, das die Sitzung um 12 beginnt und nicht später. Er kam dann ne Stunde später… Ich wartete also und ging zwischendurch etwas essen, kam wieder und der Saal war schon etwas gefüllter. Aber vom Direktor und Stellvertreter noch keine Spur. Um 13 Uhr ging’s dann los…naja, besser als wenn man wartet und niemand kommt (kann auch vorkommen)!

Nach ein paar schwierigen Unterrichtswochen, begannen die Osterferien. In der ersten Woche hatte ich geplant den Mount Cameroon mit einer DED-Freiwilligen zu besteigen. Ich bekam aber ziemlich fiese Entzündungen an meinen Füßen, die mir das vermiesten. Es tat mir sehr Leid für Lea, aber ich konnte es halt nicht ändern. Bald ist es aber zu spät, weil die starken Regen einsetzen. Lea und ich haben eine Nacht dann in Buéa bei anderen DEDlern verbracht, wo der M C liegt. Dann sind wir für 2 Tage nach Limbe gefahren, was nicht weit ist. Meine Füße wurden besser, dank Antibiotischer Creme, Tabletten. Am Ende der Woche fuhr ich Nach Nkongsamba und am Tag darauf nach Bangou, einem Dorf in der Westprovinz Kameruns. Ein Peacecorps wurde zum Prinzen, also Mitglied des Beraterstabs des Dorfoberhauptes ernannt. Am Abend davor fand die größte "Whitemenparty" in Kamerun statt. Bestimmt 30 peacecorps, 10 japanische Volontäre und wir paar Deutsche waren da. Die traditionelle Feier war interessant und sehenswert. Meinem Fuß ging’s immer besser und ich fuhr an dem Abend noch nach Bamenda zu den Mädels von Brot für die Welt, die auch in Bangou waren.

 Dann kam mein Vater Anfang April zu Besuch. Ich habe ihn vom Flughafen abgeholt. Wir schliefen in der deutschen Seemannsmission, wo es einen Pool gibt! Habe mich riesig aufs Schwimmen gefreut. Bin also ca. 5 Minuten im Wasser, als ein Kellner mich an den Rand ruft, um mir mitzuteilen, dass die vor ein paar stunden etwas zum saubermachen rein gekippt hätten, dass nicht so gut für die Haut sei und ich solle doch um halb elf nachts!!! Wieder schwimmen. Na klar, um halb elf! Er machte einen eher unbesorgten Eindruck, sodass ich weitergeschwommen bin. Dann rief mich ein amerikanischer Arzt aus dem Pool, der echt milchig war, und meinte ich solle sofort rauskommen, mich duschen und einen LiterWasser trinken. Die Mission hätte irgendwas Aggressives zum Säubern benutzt, dass es einem verbietet innerhalb von 12 Stunden ins wasser zu steigen. Die Säuberung war 2 Stunden her! Er meinte es könne zu starken Verbrennungen kommen usw…ich bin dann schnell unter die Dusche gesprungen. Nichts ist passiert, aber dass ein Schild mit sowas wichtigem fehlt, ist nach meinen Beobachtungen, typisch ?afrikanisch?. Naja,  ansonsten verlief der Aufenthalt recht ruhig. Eigentlich hatten wir vor nach Kribi zu fahren, wo es die schönsten weißen Sandstrände Kameruns gibt, aber das war uns zu weit weg. Sind also wieder nach Limbe J (Ich kenne die Stadt mittlerweile ganz gut ). Mein Vater hat auch den Direktor und Aufseher und meine Lieblingsnachbarn kennengelernt. Sie haben sich riesig gefreut und uns aufwendig empfangen. Der Direktor hat sich für uns wahrscheinlich in Um kosten gestürzt…

Nach dem Rückflug meines Vaters, ging die Schule am Ostermontag wieder los. Ich bin froh an der Schule geblieben zu sein, aber freue mich sehr auf Douala. In zwei Wochen, am 15.05 habe ich meinen letzten Schultag, wo ich Gummibärchen verteilen werde J. Meinen Deutschschülern hatte ich Sauerkraut zum Probieren ausgeteilt, das mir meine Mutter mitgebracht hatte. Sie fanden es köstlich! Ich habe die letzte Klassenarbeit korrigiert und festgestellt, dass es eine Hand voll Schüler gibt, die wirklich etwas gelernt haben. Am Anfang wollte ich allen helfen und war natürlich deprimiert, dass es nicht geklappt hat (wie auch?). Heute weiß ich, dass ich Individuen helfen konnte, die davon vielleicht langfristig profitieren. Wenn das viele tun, kann man mit vielen kleinen Schritten etwas bewegen. „Viele klein Leute, an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern!“

Es ist witzig, das alle diejenigen, die ich bisher getroffen haben und die unterrichten, genau die gleichen Erfahrungen machten wie ich und es nicht mögen. Viele Peacecorps unterrichten in ähnlichen Situationen wie ich und es ist super, dass ich jetzt einige von ihnen kenne und mich austauschen kann.

Letzes Wochenende bin ich mit Elisabeth und Dr. Lackner, der für 3 Woche zum Mitarbeiten in der Klinik da war, nach Kribi gefahren. Kribi ist wunderschön. Feiner weißer Sandstrand, unmittelbar am Strand Palmen und Urwald! Leider gibt es ab und zu die nette Gesellschaft von Feuerquallen…ich wurde mal wieder Opfer einer, die sich an meinem linken Oberschenkel festgebrannt hat. Sie wird aber nicht so ein nettes Überbleibsel hinterlassen, wie am Arm…Habs gleich mit Zitrone, Essig und Aloe Vera behandelt und es heilt gut ab.

In Douala bleibe ich für 3 Monate und komme wahrscheinlich Ende August zurück. Freue mich auf und wünschte euch jetzt in die Arme schließen zu können!

 

 

 

2.5.09 15:25

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


muk (6.5.09 21:12)
hey lisa..

ich finde es sehr beeindruckend, dass du trotz der schwierigen umstände in der schule so etwas gutes draus machst. ich kann mir vorstellen, dass es alles andere als leicht ist, sich wohl zu fühlen und zu unterrichten, wenn man so boykottiert wird nur weil man nicht schlägt. aber ich finde es bewundernswert und toll, dass du dich dran hälst, dass du so etwas nicht machen willst und dass du eine andere methode gefunden hast, die jetzt ein bisschen wenigstens klappt.

vielleicht ist es irgendwann einmal auch in afrika so, dass sich die meinungen über das schlagen von schülern auch dort ändern (so wie in dtl früher). aber das dauert wahrscheinlich noch.
aber schön, dass du etwas in diese richtung tust.

wünsche dir aber einen schönen abschluss in der schule und einen tollen anfang in dem neuen bereich
joe und ich werden uns am freitag hinsetzen wegen dem urlaub und freuen uns schon sehr, dass du dann auch im aug wieder da bist und mit uns mitkommst )

lass es dir gut gehen und genieße trotz allem noch die letzten monate.

drück dich, rieke

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