erste Schulwoche

am Montag war ich gerade dabei einen Eintarg zu schreiben, als Stromausfall war oder der Server abgestuerzt ist. Dann hatte ich keine Lust mehr von vorne anzufangen.

Das letzte Wochenende war richtig interessant. Ein Mann von der Firma Anamed kam nach Nkongsamba und hat einen Kurs ueber traditionelle, natuerliche Pflanzenmedizin in den Tropen gehalten. Das Klinikpersonal, Stefanie die deutsche Studentin; Ingrid eine Freundin Elisabeths aus der Yaounde nahmen noch teil. Wir haben gelernt welche Pflanzen uns umgeben und was ihre Heilkraefte sind und bewirken. Aus allenmoeglichen Pflanzen haben wir Medizin gegen die haufigsten Infektionen, Erkrankungen hergestellt. Teilweise sehr einfach zu produzieren und billig, leider aber auch sehr zeitaufwendig.

Z.B haben wir einen Blackstone hergestellt, der sonst sehr teuer ist. Er saugt Gift aus Wunden und Abzessen. Man muss einen Kuhknochen saeubern, mit einer Saege in kleine Stuecke schneiden und dann in Alufolie ins Feuer legen. Jedesmal; wenn er benutzt wurde, legt man ihn wieder ins Feuer und er ist funktinstuechtig. Wir haben Bodylotion, Lippenbalsam, Creme gegen Rheumatismus, Pilzinfektionen, Wuermer usw...selber produziert! Echt toll!

Samstagabend habe ich das Nachleben in Nkongsamba erkundet. Ich war mit Freunden (Klinikmitarbeitern) in einem Nachtklub, wie eine kleine deutsche Disko. Es wurde nur afrikanische Musik gespielt und viel getanzt. ich kam mir so steif wie eine Bohnenstange vor, weil ich ein ganz anderes Rhythmusgefuehl besitze! Man tanzt viel enger zusammen, egal ob die Maenner verheiratet sind oder nicht; das ist hier so. das Huepfen zu Rockmusik oder so kennt man hier nicht, es ist mehr wie Salsa. Zu vielen Rythmen gibt es bestimmte Tanzschritte, die ich noch lernen muss. Es hat jedenfalls super viel Spass gemacht. Ich habe sehr ungewoehnlichen kameruner Studenten kennengelernt, der Bismarck heisst. Er ist Zeuge Jehowas, es gibt einige Anhaenger hier. Ich unterhalte mich gerne mit den Menschen hier, um ihre Mentalitaet kennenzulernen und zu verstehen.

Montag war mein erster Schultag im College in Ndoungue, wo ich am Sonntag hinziehen werde. Da ich noch in Nkongsamba wohne, fahre ich jeden Mogen mitm Taxi oder Motorrad zur Schule. Motofahren macht so einen Spass, vor allem weil die Strassen nicht gut sind und es mir jedes Mal wie eine Safari vorkommt. Das Taxi faehrt erst los, wenn mind. 7 Leute mitfahren. 3 vorne, 4 hinten. Das heisst, man weiss nie genau wann es losfaehrt. Einmal sind wir sogar zu acht in nem Fuenfsitzer gefahren, 4 vorne mit offenem Kofferraum, weil noch sechs volle Saecke Kartoffeln oder andre Knollen mitgenommen wurden. Ich frage mich, wie der Fahrer schalten konnte. Gurte gibt es nicht, braucht man ja auch nicht, da es so eng ist.

Ich habe meinen Stundenplan am Montag erhalten. Die Schule beginnt um 7:20 Uhr und endet um 17:15 Uhr. Eine Schulstunde dauert 55 Min. Von 7:20 bis 10:05 dauern die ersten drei Stunden. Dann gibt es die erste Pause bis 10:30 Uhr. Danach ist weider Unterricht am Stueck bis 12:20 Uhr. Dann folgt eine lange Mittagspause von 2 Stunden bis um 14:30 Uhr. Von 14:30 Uhr bis 17:15 Uhr gehen die letzten 3 Schulstunden. Die Zeiten werden aber nicht immer eingehalten und es kommt darauf an, wieviele Schueler da sind. In der Abschlussklasse Deutsch ist nur eine Schuelerin. Wenn die Familie gerade kein Geld hat, um die Schule zu bezahlen, gehen die Kinder nicht oder nur teilweise in die Schule bis es wieder Geld gibt. Das ist auch der Grund weshalb die Klassen vom Alter her sehr gemischt sind und in der Abschlussklasse viele schon Mitte 20 sind.

Ich unterrichte die quatrieme alleine in Deutsch, in Deutschland waere das die 7. Klasse. Es ist das erste Jahr fuer sie. Sonst unterrichte ich noch Informatik in allen Klassen, gluecklicherweise mit einem anderen Lehrer zusammen. Mit meinen Franzoesischkenntnissen waere es unmoeglich alleine zu unterrichten. Wenn ich in Ndoungue eingezogen bin, wird sich mein Franz. verbessern; weil ich gezwungen bin nichts anderes zu sprechen.

Ich habe neben meinen Problemen im Franz. auch Schwierigkeiten Autoritaet zu erlangen, zumal ich sehr jung; weiss- la blanche; blond und eine Frau bin. Dazu kommt, dass ich die Schueler nicht bestrafe wie es hier ueblich ist. Es sind zwei Aufseher eingestellt; die waehrend des Unterrichts an den "Fenstern" ohne Glasscheiben patroullieren und jeden Scueler, der nicht aufpasst, rauskommandieren und mit einer Art Leder, Gummipeitsche bestrafen. Vll, schlagen sie auch mit der Hand zu. Schueler, die frech sind und stoeren werden von Lehrern auf die Knie kommandiert oder in die Ecke mit dem Geischt zur Wand auf die Knie geschickt. Da die Schueler auch zu Hause geschlagen werden, kennen sie das schon.

Da ich nicht schlagen werde, muss ich mir eine andere Methode der Respektschaffung ueberlegen. Es ist nicht so; dass die Schueler brav sind und still, obwohl man das meinen wuerde, da Schule ein Privileg fuer Leute mit etwas Geld ist.

Naja, so laeuft das hier ab. Die Woche leif ganz gut und ich bin gespannt, wie der Lehrplan aussehen wird.

Das einzige Medium ist die Tafel. Schueler wischen die Tafel selbstverstaendlich. Mit Papier, da es kein Wasser gibt. Computer, Beamer, Projektoren, Arbeitsblaetter gibt es hier auch nicht. Kopieren ist hier nicht ueblich und zu teuer. Es wird alles von der Tafel abgeschrieben. Wir sind also sehr verwoehnt und beglueckt in Europa. Gestern hat es so stark aufs Wellblechdach geregnet; dass ich schreien musste! Licht gibt es nicht und es zieht, da keine Glasscheiben vorhanden sind. Man hoert also auch jedes Wort in den anderen Klassenraeumen. Daran muss ich mcih noch gewoehnen. Achja, ein anderer Deutschlehrer hatte eine Schlange bei sich im Klassenraum! Ich werde meinen Blackstone also immer bei mir tragen !

Wenn ihr mich erreichen wollt: 00237 77245733. Am besten abends gegen 20 oder 21 Uhr in deutscher Zeit. Hier ist es eine Stunde frueher.

Schreibt mir, berichtet mir, was ihr so macht und was es Neues in Kelkheim, Hofheim, Mainz, Hanau, Marburg, Freiburg oder wo auch immer in Deutschland gibt! Ich freue mich immer riesig ueber eure Emails! Es tut immer sehr gut von euch zu hoeren!

Hab euch lieb,

Lisa

 

 

19.9.08 12:11

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


rieke (19.9.08 14:07)
hey lisa...


ich finde es toll von dir zu hören und auch, dass du dich in der kurzen zeit schon etwas eingewöhnt hast.
bin eigentlich sehr neugierig zu lesen, was du so erlebst und drücke dir auf jeden fall die daumen, dass es weiter so gut bleibt und du dich auch durchsetzen kannst ohne die kinder zu schlagen.

schon komisch zu hören wie du lebst und das vorzustellen. aber ich denke du wusstest was auf dich zukommt

die disco hört sich aber sehr lustig an..ich würde sehr gerne mal mitkommen, weil ich solche musik mag. aber ist leider ein bisschen weit weg =)

ich werde dir bald mal eine mail schreiben, damit du auch ein bisschen was von mir hörst!

lass es dir gut gehen und pass auf dich auf!
hab dich liieb
rieke

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